Was ist das Besondere an WingTsun?


WingTsun ist kein Sammelsurium von auswendig zu erlernenden Techniken, sondern es arbeitet nach äußerst einfachen, logischen Grundprinzipien, aus denen heraus sich die jeweiligen Techniken dann intuitiv ergeben.
Ein bekannter WingTsun-Großmeister sagte einmal: "Die Techniken im WingTsun sind lediglich körperliche und geistige Interpretationen der WingTsun-Prinzipien.

Eines dieser Prinzipien beispielsweise lehrt vereinfacht gesagt die Kunst des kürzesten Weges. Das Ziel soll immer auf dem kürzesten möglichen Weg erreicht werden. Dies führt in vielen Fällen dazu, daß ein WT-Kämpfer einen bereits gestarteten gegnerischen
Angriff mit einem Gegenangriff auf kürzestem Weg vereitelt und dadurch gleichzeitig die Initiative im Kampf übernimmt.

Ein weiteres Prinzip lehrt, nie auf einem Gebiet gegen den Gegner anzutreten, auf dem dieser überlegen ist. So macht es beispielsweise wenig Sinn, den Angriff eines körperlich überlegenen Gegners mit eigener Körperkraft aufhalten zu wollen. Vielmehr läßt man den Angriff ins Leere laufen und attackiert den Angreifer gleichzeitig in dessen ungeschützter Flanke. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Kraft des Gegners aufzunehmen und, verstärkt durch die eigene Kraft, wieder in den Aggressor zurückzuleiten.
Großmeister Leung Ting schrieb einmal: "Kämpfe immer mit dem, wovon du am meisten hast. Bei einem starken Gegner benutze also Deine Schwäche".

Um zu erkennen, ob ein Gegner stark, schwach, langsam oder schnell, von Außen oder von Innen angreift, ob er vor geht, oder zurück, reicht unsere optische Wahrnehmung oft nicht aus, da deren Reaktionszeit meist zu lange währt. Im WingTsun benutzt man daher, sobald es geht, die taktile Sensorik, also das Gefühl des ganzen Körpers.

Um überhaupt gemäß der oben genannten Prinzipien arbeiten zu können, muß auch noch das Prinzip der Ansatzlosigkeit beachtet werden. Ein WT-Kämpfer wird weder mit den Armen noch mit den Beinen Ausholbewegungen machen, sondern diese ansatzlos nach vorne stoßen. Da dies im WingTsun mit extremer Beschleunigung geschieht, ist die Wirkung dieser Techniken enorm.
Gut erklären läßt sich deren Wirkung mit der physikalischen Formel für kinetische Energie:


Diese lautet: Wkin = 0,5 x m x v2
W steht für die kinetische Energie, m für die Masse und v für die Beschleunigung

Sehr schön wird hier deutlich, daß die Masse für die kinetische Energie nur eine untergeordnete Rolle spielt, während die Beschleunigung im Quadrat zählt.
Also: 2fache Beschleunigung = 4fache Wirkung, 3fache Beschleunigung = 9fache Wirkung usw.

Ein weiterer Aspekt, der WingTsun zur idealen Selbstverteidigung macht, ist der Umstand, daß man im WingTsun lernt, in allen Kampfdistanzen zu arbeiten.
Diese teilen sich auf in die fünf waffenlosen Distanzen:

1. Kickdistanz
2. Fauststoßdistanz
3. Ellbogen- und Kniestoßdistanz
4. Clinch- und Wurfdistanz
5. Bodenkampf

Hierbei ist zu beachten, daß auch am Boden weiterhin nach den WT-Prinzipien verfahren wird und weiterhin alle zur Verfügung stehenden Körperwaffen benutzt werden.

Hinzu kommen natürlich noch diverse Waffenkampf-Distanzen.

Besonders sind im WingTsun auch die Trainingsformen:
Z.b. das WingTsun spezifische taktile Reflextraining mit Namen ChiSao (klebende Arme) beispielsweise, das sowohl sehr langsam und meditativ, als auch extrem schnell und kämpferisch oder zur Schulung des Standes auf Pfählen, Balken oder Rollen ausgeübt werden kann, ist in der Welt der Kampfkünste wohl einzigartig.

Da WingTsun nicht nur effektivste Selbstverteidigung ist, sondern sich wegen der kurzen, direkten WT-Techniken die benötigte Dehnung und Beweglichkeit der Gliedmaßen in normalen Grenzen bewegt und WingTsun aufgrund seiner aufrechten Haltung, sowie seiner entspannenden und doch kräftigenden Wirkung auf die Muskulatur auch noch die Gesundheit fördert, ist WingTsun für jeden, egal ob Frau oder Mann, jung oder alt, sportlich oder (noch) nicht, ideal geeignet.