Die Geschichte des WingTsun


In seiner schon mehrere Jahrtausende währenden Geschichte hatte das chinesische Volk immer wieder unter den aggressiven Übergriffen angrenzender Stämme zu leiden. Die Kriegskunst war bei den Chinesen daher seit jeher von großer Bedeutung.
Im Gegensatz zu Europa, wo durch die weitaus frühere Einführung der Feuerwaffen die waffenlosen Künste an Bedeutung verloren, war in China die Kenntnis wirksamer Nahkampftechniken auf dem Schlachtfeld weiterhin von lebenswichtiger Bedeutung.
Dementsprechend wurden auch die Künste des waffenlosen Zweikampfes gepflegt und beständig weiterentwickelt. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden so zahllose Stile, von denen noch heute ca. 400 unter dem Sammelbegriff "KungFu" (Harte Arbeit) in der ganzen Welt unterrichtet werden.

WingTsun ist ein relativ junger KungFu-Stil.
Der Legende nach wurde er vor ca. 250 Jahren von einer Frau mit Namen Ng Mui
erfunden und nach Yim Wing Tsun, einer ihrer Schülerinnen, benannt.
Es ist aber davon auszugehen, daß WingTsun nicht von heute auf morgen entstand, sondern eine Weiterentwicklung bereits vorhandener Stile darstellt und aufgrund seiner Eigenarten (Kraft nie mit Kraft bekämpfen, sondern ins Leere laufen lassen oder aufnehmen und wieder in den Angreifer zurückleiten) oft von Frauen praktiziert wurde.

Nachdem WingTsun, wie so viele andere KungFu - Stile auch, nur in geheimen Kreisen weitergegeben wurde, fand WingTsun unter Yip Man (1893 -1972) erstmals größere Verbreitung. Unter anderem lernte Bruce Lee knapp drei Jahre lang bei Yip Man. Nachdem Yip Man sich weigerte, ihm weiterhin WingTsun beizubringen (B. Lee hatte gegen Yip Mans Gebot verstoßen, WingTsun nur an Chinesen weiterzugeben) schuf B. Lee seinen eigenen Stil, indem er das bisher erlernte mit Techniken aus anderen Stilen vermischte.

Einer der letzten Schüler von Yip Man ist Leung Ting. Er ist der aktuelle Großmeister und Weltcheftrainer der IWTA (International WingTsun Association) und kommt mehrmals im Jahr zu Lehrgängen auch nach Deutschland.
Seit Anfang der 70er Jahre unterrichtet Leung Ting auch Keith R. Kernspecht.

Keith R. Kernspecht brachte das WingTsun-System 1976 nach Deutschland, von wo es dann seine Verbreitung in der gesamten westlichen Welt fand.
Großmeister Keith R. Kernspecht ist Cheftrainer der EWTO (Europäische Wing Tsun Organisation). Er strukturierte das WingTsun-System und erleichterte dessen Erlernen durch die Einführung zahlreicher, nach modernen didaktischen Gesichtspunkten entwickelter Unterrichtsmethoden. Ein untrügliches Zeichen für den Erfolg seiner Lehrarbeit ist der Umstand, daß die große Mehrheit der besten WingTsun-Kämpfer weltweit ihr Können bei und von ihm gelernt haben.